Nubert vs Nubert

& der Vergleich mit anderen

Posted by George Breeze on 2016-12-04

Nubert nuLine 264 vs Nubert nuBox 513

Vorwort

Hi-Fi sound muss nicht teuer sein

Vor ca. 15 Jahren hat mein Bruder die Lautsprecher an seiner Sony Stereoanlage zerschossen. Grund genug irgendwelche Ersatzlautsprecher zu besorgen. Da ich für mich gerade neue B&W Standlautsprecher der 600 Serie kaufte, nahmen wir auch noch zwei Regallautsprecher der 400 Serie mit. Als wir die günstigen Lautsprecher an die Anlage aus grauem billigen Kunststoff anschlossen, zogen sie uns in den Bann der Hi-Fi Welt. Meine Rotel + B&W Anlage um 3.000 Euro konnte nicht gegen eine 600 Euro Anlage konkurrieren. Da wurde mir klar, das Teures auch in der Hi-Fi Welt nicht unbedingt Besseres verspricht.

Auf die Größe kommt es an

Ich finde es immer bewundernswert, wenn sich Leute eine mächtige Standbox wie zb. einer B&W 803D (die jede Menge Abstand nach hinten benötigt und momentan ca. 6.000 Euro kostet) in einen Raum mit einer Raumgröße von 18qm stellen. Gut das zumindest manche von diesen Leuten das Hören von Hight Fidelity nicht hören, und die Lautsprecher wieder versuchen zu verkaufen.

Verlass dich auf dein Gehör

und nicht auf das was andere sagen. 90% all jener, die im Hi-Fi Bereich tätig sind, sind nicht neutral. Bilde dir deine eigene Meinung und bewerte das was du hörst, egal wie viel Watt der Verstärker hat, welches Kabel verwendet wird, egal ob digital oder analog, mp3 oder flac. Und vor allem bewerte unabhängig vom Preisschild! Das was wirklich wichtig ist, ist das Resultat und das hört man.

Nubert nuBox 513

Der Preis von 800 Euro für das Paar ist günstig, aber was kann man dafür erwarten? Die nuBox gibt es in diesen drei Ausführungen

Nubert nuLine 264

Der Preis ist gegenüber der nuBox um fast das Doppelte gestiegen. Lohnt sich die Investition von etwa 1.500 Euro für das Paar? Die nuLine gibt es in diesen Ausführungen

Der Vergleich

Verpackung

Beim Auspacken der Lautsprecher merkt man ganz schnell den Preisunterschied. Das Innere Verpackungsmaterial (also die Hälfte der Styropor Elemente) waren bei der nuBox bereits gebrochen. Die gebrochenen Styroporplatten flogen schon bei der Anlieferung im Karton herum. Auch die Befestigungsschrauben für die Füße lagen lose darin. Beschädigungen an den Lautsprechern konnte ich aber nicht ausmachen.

Ganz anders bei der nuLine Serie. Hier wird ein anderes Material als Styropor verwendet das sehr elastisch ist und somit nicht brechen kann. Auch die Schrauben für die Füße sind in einem kleinen Karton fest verpackt.

Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität ist bei beiden Lautsprecherserien ausgezeichnet. Hier gibt es auch bei der nuBox nichts auszusetzen. Die mitgelieferten Füße sind qualitativ hochwertig, leicht zu montieren und passen gut zum Gesamtbild.

Klang


Woong San - I Love You (auf spotify nicht verfügbar)
Wenn man dieser Musikrichtung nicht völlig abgeneigt ist, dann sollte einem bei dieser Aufnahme ein leicht positives Staunen überkommen. Ansonsten könnte es tatsächlich sein, dass man die richtige Hi-Fi-Anlage noch nicht vor sich hat.

Nubert nuLine 264
Die Nubert nuLine 264 schafft positives Staunen. Sie bietet ein ausgesprochen klares Klangbild mit vielen Details. Man hört das vibrieren der Stimmbänder und ein souverän reproduziertes Cello. Die Lautsprecher zeichnen sehr deutlich das Schwingen der Seiten nach, die Resonanzen des Instruments und sein Ausschwingverhalten. Nun zur Kritik auf hohem Niveau: Dieser Song wirkt ein wenig hart und könnte etwas runder, samtiger, abgerundeter klingen.

Nubert nuBox 513
Der weiche Sound geht runter wie Öl, sehr angenehm zu hören. Nach der Hälfte des Songs kommt allerdings etwas Langeweile auf und man möchte weiterschalten.

B&W 603 S3
Die Stimme hat Details, zumindest mehr als die nuBox 513 was mich etwas überrascht hat. Die B&W hingegen bietet wenig bis keine Details im unteren Frequenzbereich. Das Piano schwimmt völlig. Die Mitten sind sehr dumpf. Im Vergleich zu den Nubert‘s eine sehr unausgewogene Abstimmung.



Jacob Gurevitsch - Mexican Margarita

Nubert nuLine 264
Sehr präzise aber nicht ansträngend, sehr weich und angenehm. Meisterliche Darstellung der Gitarre mit einer schönen Bühne.

Nubert nuBox 513
Wenig Details in den Mitten und Höhen. Zu langweilig und nicht mitreißend. Das ist dann doch mehr Berieselung als Hi-Fi Feeling. Dafür bietet sie wieder ein ausgewogenes Klangbild, spielt sehr weich und ist somit sehr angenehm beim Hören. Man kann diesem Lautsprecher ewig zuhören und er wird nicht ansträngend. In den unteren Frequenzen ist er durchaus knackig.

B&W 603 S3
Bietet schöne Gitarren, allerdings schwammige Bässe und wieder ein zu dumpfes Klangbild. Nur die Gitarre ist lebendig zu hören (ev. noch die höheren Percussions), alles andere verschwimmt.



Joy Williams - One Day I Will

Nubert nuLine 264
Geiles Piano, tolle Stimme. Man hört das vibrieren der Stimmbänder. Tolle Bühne, sehr ausgewogenes Klangbild, schöne räumliche Abbildung, sehr angenehm im gesamten Frequenzbereich. Der obere Bass kommt gut und kräftig, der tiefe Bass ist allerdings nicht zu hören. Auch wenn sich hier die Grenzen der Tiefton Chassis zeigen, werden die nicht machbaren Bässe aber so unauffällig wie möglich ausgeblendet.

Nubert nuBox 513
Gute Bühne, gute Stimme mit einer schönen Stimmfarbe. Das Piano ist zu weich. Der obere Bass kommt gut und kräftig, der tiefe Bass ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Es bleibt nur noch der Versuch einer Darstellung die in ein tiefes Hauchen übergeht – nicht sehr schön.

B&W 603 S3
Das Piano ist schwammig. Die Höhen sind angenehm aber zu wenig detailliert. Stimme ist gut, wenig bis keine Bühne. Tiefer, mächtiger Bass mit ordentlich Kraft der problemlos in alle Regionen nach unten geht – aber weit weg von präzise.



Stevie Ray Vaughan - Tin Pan Alley (AKA Roughest Place in Town)

Nubert nuLine 264
Wuchtiger Bass, schöne Gitarren. Dreht man den Volume Regler mal ordentlich nach rechts, dann wird die Musik ganz schnell unpräzise. Eine zu hohe Lautstärke trübt ganz schnell den sonst so tollen Hi-Fi Genuss.

Nubert nuBox 513
Die nuBox bietet einen druckvollen Bass der allerdings schwammig, unpräzise und nur schwer nach ganz unten kommt. Die Gitarre wirkt sehr elektronisch - mit einem Hang zum Synthesizer. Der Song vermittelt hier ohne Ecken und Kanten einen etwas luftig blassen Eindruck. Wer es aber gerne laut haben möchte ist hier richtig. Diese Lautsprecher bringen auch die ältesten Nachbarn noch zum Tanzen.

B&W 603 S3
Keine Details. Langweilig. Hörabbruch, schade um die Zeit.



Nonku Phiri - Things We Do on the Weekend

Nubert nuLine 264
Dieser Song ist definitiv ihre Stärke, er funktioniert ausgesprochen gut. Die Lautsprecher bauen eine weite Räumlichkeit auf und jedes Instrument ist wo anders zu orten. Ortbarkeit und Lokalisationsschärfe vom Feinsten!



JP Cooper - We Were Raised Under Grey Skies - Acoustic

Nubert nuLine 264
Eine weitere Stärke: Die Gitarren kommen sehr gut.



Chris Stylez - Who Is

Nubert nuLine 264
Tolle Bühne, tolles Piano und jede Menge Details in der Stimme.



Charlie Hunter - Day Is Done (feat. Norah Jones)

Was ein Kontrabass so alles anrichten kann. Den ultimativen Bass Test haben beide Nuberts nicht bestanden. Bei diesem Song machen die tiefen Tonlagen im Kontrabass den Lautsprechern ordentlich zu schaffen. Hier ist wieder nur der Versuch anhand eines Bass-Hauches wahrnehmbar. Hingegen tobt sich hier die alte B&W so richtig aus und zeigt was möglich ist. Natürlich schwammig und unkontrolliert.



Ludwig van Beethoven - Symphony no. 4 op. 60 in B flat major: Adagio – Allegro vivace

Wie so viele Lautsprecher sind auch die Nuberts keine reinen Klassik Lautsprecher. Lautsprecher die versuchen alle Musikrichtungen gut abzuspielen, werden nie an Lautsprecher herankommen die nur für klassische Musik konzipiert wurden. Allerdings hat man es als Klassik Musik Liebhaber momentan so und so nicht leicht da sich das Aufnahmeverfahren von klassischer Musik immer mehr dem Komprimierungs-wahn der Popaufnahmen hingibt. Soll heißen: Aktuelle Aufnahmen spielt auch die Nubert akzeptabel ab. Wirkliche Klassik Enthusiasten müssen aber zu ganz was Anderem greifen.

Testumgebung

Verstärker: Lyngdorf TDAI-2170
Raumgröße: 18m²

Der Vergleich mit anderen

Auflistung sortiert von gut bis mittelmäßig.

Lautsprecher Preis (Paar) Kommentar
Magellan Triangle Cello 2 10.000.- So muss sich Musik anhören! Kaufen, vorausgesetzt man hat den passenden Raum
Nubert nuLine 264 1.550.- Lautsprecher mit einem hohen Auflösungsvermögen zu einem guten Preis
Triangle Antal 2.400.- Sehr detailliert, aber schwach im unteren Frequenzbereich
B&W CM9 2.700.- Sehr detailliert, aber auch sehr schwach im unteren Frequenzbereich
Nubert nuBox 513 850.- Langzeittaugliches, ausgewogenes Klangbild aber langweilig, zu undetailliert
B&W 603 S2 850.- (vor 15 Jahren) Sehr unausgewogen und mit einer wenig detailreichen Wiedergabe